Historie

Die Geschichte und Struktur der Berufsbildenden Schulen Mansfeld-Südharz

Die Entwicklung der Berufsbildenden Schulen Mansfeld-Südharz seit der Wiedervereinigung ist ein Paradebeispiel für den tiefgreifenden strukturellen Wandel in Sachsen-Anhalt. Nach dem Ende der DDR im Jahr 1990 mussten die stark spezialisierten Ausbildungsstrukturen der alten Planwirtschaft grundlegend reformiert, zusammengeführt und an die Bedingungen der modernen Marktwirtschaft angepasst werden. Dieser Transformationsprozess vollzog sich im Wesentlichen in drei prägenden Phasen.

  1. Die Nachwendezeit (ab 1990): Das Ende der Betriebsberufsschulen

In der DDR war die Berufsausbildung eng an die großen Kombinate der Region gekoppelt, allen voran an das Mansfeld Kombinat für Kupferschieferbergbau und Metallurgie. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang, der Schließung der Bergbaubetriebe und der anschließenden Privatisierungswelle durch die Treuhand brachen diese betrieblichen Ausbildungsstrukturen zusammen.

Die betrieblichen Schulen wurden daraufhin verstaatlicht und aus den Betrieben herausgelöst. Die neu gegründeten Berufsschulen wurden unter die Trägerschaft der neu gegründeten Landkreise Sangerhausen, Eisleben und Hettstedt gestellt. Es entstand zunächst eine Struktur aus eigenständigen, kommunalen Berufsschulen, die sich aus verschiedenen Vorgängereinrichtungen zusammensetzten:

  • Die Berufsschule des Landkreises Sangerhausen:

setzte sich zusammen aus:

  • Kommunale Berufsschule des Kreises Sangerhausen,
  • Betriebsberufsschule des Mansfeld Kombinates,
  • Betriebsberufsschule des Wohnungs- und Gesellschaftsbau Sangerhausen
  • Betriebsberufsschule der Maschinenfabrik Sangerhausen
  • Die Berufsschule des Landkreises Eisleben:

setzte sich zusammen aus:

  • Ingenieurschule Eisleben

(Die Ingenieurschule Eisleben erhielt den Namen „Fachschule für Technik und Wirtschaft“ und wurde 1993 mit der BbS Eisleben zusammengelegt).

  • Betriebsberufsschule des Mansfeld-Kombinat „Hans Seidel“ (Bergbautechnik)
  • BBS Bau- und Montage-Kombinat (Bautechnik)
  • BBS Walter Schneider (Agrartechnik)
  • kommunale gewerbliche Berufsschule (gewerbliche Berufe)
  • kaufmännische Berufsschule (kaufmännische Berufe
  • Berufsschule Technische-Gebäude-Ausrüstungen (Stedten)
  • Die Berufsschule des Landkreises Hettstedt:

setzte sich zusammen aus:

  • der Betriebsberufsschule des VEB Walzwerk Hettstedt „Trụ Văn Thố“ auf dem Hüttenberg in Großörner

Hier wurden vor allem metallverarbeitende Berufe (z. B. Walzwerker, Instandhaltungsmechaniker, Dreher, Zerspanungsfacharbeiter) ausgebildet

  • der Betriebsberufsschule der „Saigerhütte“ in Hettstedt
  • der „Kommunalen Berufsschule Hettstedt“. Hier wurden z. B. die Berufe: Fachkraft für Schreibtechnik, Friseure, Verkäufer, Tischler, Zimmerer, Baufacharbeiter ausgebildet
  • der Betriebsberufsschule „Volkseigenes Gut“ in Walbeck. Hier erfolgte die theoretische und praktische Ausbildung für den Beruf Tierpfleger

1994 erfolgte der Zusammenschluss der BbS Eisleben mit der BbS Hettstedt zur BbS Mansfelder Land.

  1. Die Weichenstellung: Spezialisierung statt Doppelstrukturen (2001)

In den Landkreisen Mansfelder Land und Sangerhausen wurde die umfangreiche Modernisierung vieler Schulgebäude der BbS vorbereitet. Die materiell technische Ausstattung wurde vorausschauend und in sich stimmig vollzogen. Diese Neustrukturierung wurde im September 2001 umgesetzt.

  • Der Standort Sangerhausen: Er wurde vollständig auf den gewerblich-technischen Bereich ausgerichtet und übernahm Ausbildungen wie Metalltechnik, Bautechnik, Elektrotechnik, Kfz-Technik, und Holztechnik. Zusätzlich war die Fachoberschule in Sangerhausen beheimatet.
  • Der Standort Lutherstadt Eisleben: Er konzentrierte sich fortan konsequent auf die Bereiche Wirtschaft, Verwaltung, Ernährung und Hauswirtschaft, Dienstleistungen, Serviceberufe sowie das Gesundheits- und Sozialwesen und beheimatete zudem das Fachgymnasium.

Diese strategische Arbeitsteilung sichert bis heute stabile Klassenstärken, spart erhebliche Kosten, verkürzt die Wege für regionale Partner und garantiert eine hohe Qualität der Ausbildung.

  1. Die Kreisgebietsreform (2007/2008) bis heute: Eine gemeinsame Bündelschule

Mit der sachsen-anhaltischen Kreisgebietsreform im Jahr 2007 fusionierten die Regionen zum heutigen Landkreis Mansfeld-Südharz. In diesem Zuge verschmolzen auch die einzelnen Berufsschulen zur heutigen BbS Mansfeld-Südharz im Jahre 2008.

Moderne Entwicklungen & Qualitätssicherung

Die BbS Mansfeld-Südharz ist heute nicht mehr nur ein Ort der reinen Wissensvermittlung, sondern versteht sich als zukunftsorientiertes Bildungszentrum mit klaren Leitlinien und modernster Infrastruktur:

  • Qualitätsmanagement und Leitbild: Die Schule arbeitet auf Basis des schulinternen Qualitätssicherungssystems GQM (Ganzheitliches Qualitätsmanagement) mit einem festen Qualitätsleitbild. Dieses stellt die Werte Respekt, Toleranz und pädagogische Einheitlichkeit in den Vordergrund, um zielorientiertes Lernen zu ermöglichen.
  • Die IKT-Richtlinien sowie der Digitalpakt Schule: Seit 2019 wurden mithilfe verschiedener Förderrichtlinien alle Häuser der BbS mithilfe von umfangreichen Fördermitteln das passive Netzwerk sowie die aktive digitale Infrastruktur modernisiert. Dies ist ein Prozess, der permanent auf Grundlage eines stets aktuellen Medienbildungskonzeptes fortgeführt wird. Damit wurden die technischen Voraussetzungen geschaffen, um Unterrichtsinhalte digital und zeitgemäß zu vermitteln.
  • Vielfältige Spezialisierungen im Vollzeitbereich: Zu den attraktiven Vollzeitbildungsgängen gehören heute z. B. das Berufliche Gymnasium (mit Richtungen wie Gesundheit und Sozialwesen sowie Ingenieurwissenschaften) und die Fachschule Sozialwesen, an der staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden. Zudem bietet die Schule verschiedenste Berufsfachschulen mit beruflichem Abschluss an

 

  • Aktuelle Schulstruktur und Standorte (Schuljahr 2026/27)

Heute lernen an der BbS Mansfeld-Südharz rund 1.660 Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende in 114 Klassen. Ein Kollegium von ca. 100 Lehrkräften sichert den Fachunterricht sowie die fachpraktische Ausbildung ab. Die Schule gliedert sich organisatorisch in vier Häuser, die sich jeweils in unmittelbarer Nähe zueinander befinden und so einen reibungslosen Wechsel während des Schultages ermöglichen:

  • Haus 1 (Sangerhausen, Friedrich-Engels-Straße 22): Beherbergt die Schulleitung und Verwaltung sowie die Bereiche Metall-, Fahrzeug-, Holz-, Farb- und Textiltechnik, Lager/Logistik, die Berufsfachschulen für Technik und Gestaltungstechnische Assistenz, die BVJ-Werkstätten, eine Aula und eine kleine Sporthalle.
  • Haus 2 (Sangerhausen, Karl-Liebknecht-Straße 15): Liegt nur ca. 200 Meter von Haus 1 entfernt und umfasst ein Sekretariat, die Bereiche Bautechnik und Elektrotechnik, das Berufliche Gymnasium, die Fachoberschule, Prüfungsräume sowie eine große Zweifelder-Sporthalle.
  • Haus 3 (Lutherstadt Eisleben, Geiststraße 2): Es konzentriert sich auf die Bereiche Wirtschaft und Verwaltung, die Fachschule für Sozialpädagogik (Erzieherausbildung), BVJ-Klassen sowie die große Aula.
  • Haus 4 (Lutherstadt Eisleben, Querfurter Straße 12): Ist etwa 10 Gehminuten von Haus 3 entfernt. Es beherbergt die Bereiche Ernährung und Hauswirtschaft, die Berufsfachschulen für Gesundheit und Soziales sowie weitere Klassen des BVJ.

Geleitet wird das gesamte Schulleitungsteam vom Schulleiter Herrn Barthel und dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Kinzel. Unterstützt werden sie von den Koordinatoren Frau Zimmer, Frau Thiele und Herr Wachsmuth, den Bereichsleitern Herrn Schatta, Frau Gratz, Frau Nitzsche und Frau Stüber, die gemeinsam mit den gewählten Leiterinnen und Leitern der Fachgruppen und Bildungsgangteams die organisatorischen Aufgaben der Schule bewältigen.

Nach oben scrollen